Julia Albinus

27. Juli 2018, posted in Kanada, Nordamerika, ReiseZeltend durch die Rockies und eine Stadt im Ausnahmezustand

Was gibt es schöneres als farbenfrohe kanadische Seen?
schöne Aussichten hier in Kanada

Die Rockies gehören zu den spektakulärsten Reisezielen Westkanadas. Mondäne Gebirgslandschafft mit über 1.450 Kilometern zischen den beiden Provinzen British Columbia und Alberta.

Atemberaubende blaue und smaragdgrüne Seen, Gletscher, schneebedeckte Gipfel, blumenübersäte Wiesen und vier abenteuerlustige Girls.

Pilgern auf dem Camino
Rückblick auf eine grandiose Zeit auf dem Camino

Ein bisschen verrückt waren wir schon immer, und insgeheim hoffe ich, dass das so bleibt. Letztes Jahr sind wir den Camino de Santiago zusammen gelaufen und so haben wir unsere kanadischen Hosts kennengelernt.

Western Spektakel und eine Stadt im Ausnahmezustand

In Calgary, der Cowboystadt schlechthin, sehen wir uns wieder. Das Wiedersehen am Flughafen könnte schöner nicht sein. Die erste der Girls wird spielt Cowboy und Indianer, wird also direkt vom Lasso eingefangen. „howdy und Yeee-ha“, sage ich dazu!

Da die Tage knapp sind und wir alle western-hungrig sind, stürzen wir uns ins Getümmel, sind mittendrin statt nur dabei.
Wir sind uns einig; das Rodeo ist unser persönliches Stempede Highlight.

Kaum einen Tag später legen wir die Cowboyhüte ab, bezeichnen uns als Naturfreunde, Camper und Wanderer. Wir lauschen abends im Zelt dem Wolfsgeheul, brutzeln tagsüber in der Sonne und abends am Lagerfeuer unser Essen.
Wir leben spartanisch auf urigen Campingplätzen.

Zwischen durch bestaunen wir die Gletscherseen aus der Vogelperspektive, da unser Motto heißt: „Abgerechnet wird am Strand!“. Die Frage, ob wir die Wanderungen bis zum Gipfel schaffen stellen wir uns nicht. Die Sehnsucht nach dem Ausblick ist kaum stillbar. Vorbereitet auf solche Wandertouren war, mal abgesehen von den Wanderschuhen, keine von uns.

atemberaubender Blick auf den Lake Louise

Bis zur Baumgrenze bleiben wir zusammen, denn sinnvoller Weise haben wir uns ein Bärenspray zugelegt.

Und dementsprechend starten unsere Wanderungen jedes Mal vorbereitet. Ob wir wollen oder nicht; wir müssen reden, denn sonst erschrecken sich unsere haarigen Weggefährten womöglich wenn sie um die Ecke kommen und wir zu still sind.
Auf einen Grizzley-Angriff können wir gut verzichten, wobei wir gleichermaßen auch alle mit der Kondition zu tun haben, während wir die Anstiege in Angriff nehmen.

Nützt ja nichts und so ziehen wir klatschend, singend oder redend durch die Wälder, beschweren uns über die unzähligen Mücken und sprühen fleißig nach was das Zeug hält. An der Baumgrenze angekommen, hat der Gruppenzwang ein Ende und jede von uns zieht ihr eigenes Tempo an.

Gefühlt sieht es jeden Tag aufs Neue so aus, als sollte die nächste Wanderung viel früher enden und und ein lauschiges Fleckchen soll unsere Nachmittagsgestaltung einnehmen.
Pustekuchen halbe Sachen machen wir nicht.

„Wie du eine Sache machst, machst du alles im Leben.“

Die Gipfel genießen wir dementsprechend auch immer unterschiedlich, denn plötzlich drängt die Zeit und die nervenaufreibende Campingplätze-Suche wird zum vorherrschenden Thema.
Wir grooven uns täglich mehr ein, die Zelte sehen immer besser aus und das Equipment wandert rasenschnell aus dem Auto.

Tu mal lieber die Möhrchen

Am ersten Tag waren die Augen größer als der Hunger und wir kaufen 8kg Möhren. Diese gibt es dann geschmort, roh und gegrillt. – Eine Woche lang.

Der Running Gag ist geboren, und das saftige orange hängt schnell zu den Ohren raus. Unsere Naturliebe stößt auf ihre Grenzen.

Auch wenn es vielleicht etwas überzeichnet ist, als wir endlich mal wieder Richtung Zivilisation und somit Richtung Stadt kommen, tuen sich gedanklich schon wieder Ankleidepläne auf.

„Ich ziehe morgen meine Jeans an und das beste Shirt, was ich habe, und dabei ist mir egal ob ich geduscht bin oder nicht.“, höre ich aus der Gruppe. Wahnsinn wie schnell sich die Sichtachsen ändern.
Mal wieder erfüllt sich unser Wunsch auf einem Campingplatz mit Dusche zu haben – nicht. Voll belegt.

Also bleibt uns nicht übrig als uns eine 8 Minuten Dusche im Waschsalon zu teilen. Ich habe es ja gleich gesagt; wir sind abenteuerlustig und Jasper kommt mit dem Erlebniswaschsalon wie gerufen. Es ist nicht so, dass wir uns die Münzduschen nicht leisten könnten. Vielmehr sehen wir das garnicht ein. Nach der stundenlangen Wasch-, Dusch- und Campingplatzsuch- Prozedur haben wir uns ein Mittagessen im Restaurant verdient.

Da solche Highlights eine Seltenheit sind, klappern wir erst Downtown Jasper komplett ab bevor wir uns entscheiden. Die Mägen hängen uns in den Kniekehlen und bei mir hat der Spaß so langsam ein Loch. Und dann endlich, endlich stehen wir in der Schlange und warten auf einen Tisch. Völlig überfressen buchen wir noch einen Reitausflug für den nächsten Tag. Es sei mal dahingestellt, dass Reiten kein Hobby von uns ist, aber etwas Abwechslung sollte nun mal her.

In einer Welt ständigen Wandels stellen gute Fragen die Knappheit dar. Schlechte Fragen weisen Schuld zu. 

Diese Erfahrung mussten wir wohl alle während unseres Trips mitnehmen. Schlechte Fragen betonieren die Dinge in Klischees und erniedrigen die Komplexität der Welt.

Umso glücklicher war ich als wir abends in den Zelten zwar keine Lagerfeuergespräche hatten, dafür reflektierende Gute-Nacht-Geschichten. Versteht mich an dieser Stelle nicht falsch. Hierbei ging es nie um mindere Triebe, sondern um essentielle Lebensträume und um das Herausfinden was uns im Leben wirklich bewegt.

Kreativität und Offenheit kann also endlich ein Comeback feiern. Energie fließt und diese brauchen wir auch. Campinghürden, die erwartet und unerwartet auftauchen müssen bewältigt werden.
So enden wir Holz hackend, Wäsche waschend, Feuerpustend und Zelte trocknend systematisch auf den Campgrounds.

17 sehr abwechslungsreiche Tage liegen schnell hinter uns. Wir lernen viel dazu und bringen alle eine Menge Geduld und Toleranz auf. 2 Grad Celsius können uns nachts nicht einschüchtern, Hagel und Regenstürme überleben wir mit Bravour und so werden einige „Remember When´s“ geboren.

Die Moral von der Geschichte´: „Mentale Beweglichkeit kann man trainieren. Oftmals ist es besser Ideen, Gedankengänge und Vorschläge im Raum stehen zu lassen, obwohl wir dazu neigen alles sofort zu werten.“

Die Weisheit habe ich nicht mit Löffeln gefressen. Das möchte ich noch los werden, bevor ich Servus und Good-Bye sage.

Eure,
Jule

der Elk Island Nationalpark ist bekannt für seine Bison´s
Bisons im Elk Island Nationalpark
Geschrieben von Julia

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