Julia Albinus

14. April 2018, posted in Amerika, Nordamerika, ReiseVerloren in der Dotcom Krise und der Goldrausch

Was solls. Eine günstige Bleibe im Yosemite Nationalpark habe ich nicht mehr bekommen, also geht’s erstmal weiter nach San Francisco.


Strahlender Sonnenschein und lächelnde Menschen. So werde ich von Frisco, San Fran oder nüchtern San Francisco empfangen. Das Hostel nicht weit weg vom Union Square, zeigte mir dann gleich mal die bekiffte Seite der Stadt. Nun, was soll ich sagen – gehört ja gewissermaßen auch dazu, oder? Als ich dann endlich am trödeligen Checkin vorbei war, erklimmte ich mein „diese-Leiter-wird-niemals-enden-Bett“, was ich dann so schnell nicht mehr verlassen habe. Es hatte immerhin einen Vorhang, und ich Privatsphäre.

Realitätscheck: Letztes Jahr auf dem Jakobsweg wäre das schon auch mal eine Tagesetappe gewesen

Am nächsten Morgen machte ich mich auf. Die Stadt rief nahezu nach mir, und ich hatte Glück, denn der strahlende Sonnenschein wollte nicht nachlassen. Was ich bei Tagesanbruch nicht ahnte; ich marschierte an diesem Tag 19 km. Was wünschte ich mir doch nun einen tropischen Strand eine zarte Fußmassage her.
Das fiel aus wegen ist nicht. Also zurück zu meiner Laufstrecke. Von der touristischen Fischersmanns Wharf, wo es konträrer, spaßiger und größer nicht zu gehen kann zur atemberaubenden Golden Gate. Kaum angekommen erhielt ich unzählige Komplimente für meine neonstrahlenden Nikes, und fragte mich ob diese Schmeicheleien Einladungen zu Gesprächen waren oder einfach nur nette Aufmerksamkeiten, der aufgeschlossenen Amerikaner. Es war auffällig und ich bin ja gewissermaßen doch auch Deutsche, auch wenn viele meiner Charakterzüge nicht unbedingt in den Stereotyp der Deutschen passen. Wie auch immer. Ich Beginn der Brücke holte ich einmal tief Luft und dann lief ich los. Macht man ja nun schließlich auch nicht jeden Tag, und das ich keinen Ehrenpreis für einen Spaziergang erhalten würde war mich auch klar. Dennoch es war etwas besonderes. Endlich war ich auf der Golden Gate, der Wind der Freiheit zog durch meine Lungen und meine Füße wollten nicht aufhören zu laufen. Da der Ernst des Lebens gleichermaßen nach mir schrie, hörte ich auf meinen Verstand und drehte um. Nein, ich bin nicht komplett über die Brücke gelaufen. Wie eben gesagt auf der anderen Seite hat mich ja doch niemand erwartet. Demungeachtet marschierte ich zurück in die steilen Straßenhänge mit einem filmreifen Sonnenuntergang. Währenddessen kamen mir unzählige Jogger entgegen und ich musste mich fragen, ob ich den City Marathon verpasst habe, denn es waren Massen in Bewegung. Puh, als würden die Einwohner ihre Workouts nicht schon hinter sich haben, auf dem Weg zur Underground und zurück. Naja, jedem das Seine. Ich hatte genug an diesem Tag.

Die Chile – Germany – Canada Begegnung im Cookie Uber

Nach ein paar Tagen war mir dann auch mal wieder nach Partizipation, also fragte ich beim Frühstück in die Runde, ob einer der Genossen Lust hat mit mir auf die Free Walking Tour zu kommen. So sputeten sich Taylor und ich zum Union Square, um die Tour nicht zu verpassen. 
Als wir nun mit Fisher – mal wieder ein kleiner möchte-gern Moviestar – durch die Straßen zogen war das Eis gebrochen. „Die Dotcom Krise löste die riesige Obdachlosen-Welle aus.“, erklärte uns Fischer und endlich verstand ich wie diese Schere zwischen Arm und reich zustande kam. Traurig anzusehen die Zelte, Höhlen aus Pappkartons und all die bettelnden Menschen. Das ist eben die Kehrseite vom hippen Gründer aus dem Silicon Valley.

„Movie star, oh movie star, you  think you are a movie

Später trafen wir auf Pablo, der uns die Painted Sisters und die Lombard Street zeigte. Pablo kannte jede, aber auch wirklich jede Netflix Serie. So kam er in San Fran natürlich noch besser zurecht. Es war lustig: „Kennst du..?“, „Nein, kenne ich nicht.“, musste ich zugeben. Trotzdem erzählte er mit ungezügelter Leidenschaft seine Stories. Was haben wir gelacht. Es nützt nichts ich muss mich bilden und werde nun auch Netflixer.

Es macht einen Unterschied, ob man einen kleinen Spaziergang macht oder die unzähligen der Sehenswürdigkeiten der Millionenmetropole zu Fuß besichtigt, möchte ich an der Stelle gesagt haben, und so tappten wir drei Beinmuskeln und Lachmuskel-trainierend durch die City. 

das Erdbeben 1906 überlebt - Painted Sisters
San Francisco´s berühmte Filmkulisse
Die Tage zogen nur an mir vorbei, was auch gut war denn von Schlaf war im Hostel in San Francisco nicht auszugehen. Eine Horde rücksichtsloser Mädels in einem Schlafsaal.

Die eine die der Meinung ist sie müsste ein halbes Schwein im Bett verputzen und dabei in Zimmerlautstärke ihre Serien schauen. Eine andere meint sie müsste mitten in der Nacht ihre Koffer packen, und wieder eine andere liest morgens im 7 Uhr froh und munter allen ihre Englischhausaufgaben vor. Bravo.

Was war ich froh, dass ich seelischen Beistand hatte, denn abends traf ich mich in der Regel mit Taylor und Pablo, und da die Entfernungen nach ausgiebigen Gesprächen dann doch zuviel wurden entschieden wir uns für die Uber Variante. Wer hätte es gedacht, wieder erfüllt ein Ami, der als Cookie-Uber-Fahrer bekannt werden will jedes Klischee. Nicht nur das er uns prima unterhält, nein seinen Pitch zieht er eiskalt durch. „Wie kommt es, dass ein Kanadier, eine Deutsche und einer aus Chile im selben Uber-Auto sitzen?“, will er wissen. – „Nato.“, haut Taylor trocken raus, und schon kullern mir die Tränen vor Lachen.  Situationskomik. Der Fahrer schmunzelt, und launched seine Uber Karriere munter weiter. Am Ende verlassen war sein brandneues Auto mit einem Krispy-Cookie-Reiskracker.  Diesen gibt es in Wirklichkeit nicht. Im Land der Unbegrenzten Möglichkeiten werden Cracker eben zu Cookies erklärt. Easy.
„Habe ich soviel Family Guy geschaut, oder würde ich die Stereotype auch so wieder erkennen?“, frage ich mich und klettere wieder in mein Wolkenkratzer-Bett.

Auf geht’s in den Yosemite

Bilderbuchkulissen und die weltbesten Wanderwege wurden mir prophezeit. Ich wollte sehen wie abstrakt das Logo der Outdoor Marke North Face wirklich ist, denn die three Brothers sollen es darstellen. Um noch ein bisschen mit Wissen zu prahlen: die Marke kommt aus San Francisco, also was läge dem näher als eben den Yosemite Nationalpark mit einzubeziehen?
Also buchte ich eine Tour in den Park und schon saß ich im Bus. Der Tag verging wieder wie im Flug. Jakob unser Fahrer und Tourguide bot uns eine bühnenreife Show und sorgte für Unterhaltung.
 Der Yosemite war großartig. Einzigartige Flora und Fauna und eine frische Brise von den Yosemite Falls. Die Wanderwege kann ich leider nicht beurteilen, denn wir kurvten morgens 4 Stunden in den Park und abends das 4 Stunden zurück. Zeit für Wanderungen blieb da nicht. Bleibt nichts aus als nochmal wieder zu kommen. Jemand Lust? 

Alles war gigantisch. Die Anreise in den Park zeigte unzählige Mandelplantagen und alles andere was die Landwirtschaft nur so zu bieten hat. Jakob plauderte aus dem Nähkästchen. Der Goldrausch ist das zentrale Thema in und um San Francisco und so wurde mir auch klar, wie Chinatown Chinatown wurde. Jakob war wieder ein Paradebeispiel für „the Hollywood thing“. Er studierte Film und TV, arbeite ein paar Jahre in der Branche und wollte dann was von der Welt sehen. Heute kann er mit reden. Er lebte in Neuseeland und Alaska, verließ seine Heimat Indiana um in Kalifornien Touristen durch die Schluchten des Yosemite zu kurven. Well done, Jakob. „Jedes Jahr nichts als Maisfelder sehen? – Puh, das ist nichts für die Ewigkeit.“, und ich konnte ihn so was von verstehen. 

Auf der Rückfahrt durften wir nochmal einen packenden Blick auf die Skyline von San Francisco von Treasure Island aus sehen. Was nicht nur diesen Tag zur Krönung meines Aufenthaltes machte, sondern auch ein super Abschied darstellte. 


Aha, hier kommt also das North Face Logo her

Denn, ich hatte nur noch einen letzten Dreiviertel Tag in San Francisco, den ich nutzte um endlich die Seelöwen zu bestaunen und Walt Disney in seinem Museum einen Besuch abzustatten. Wer mich kennt weiß: ich wurde sentimental. Dieses Fleckchen Erde hat es mir echt angetan, und die Stadt hat mich trainiert meine Beine sind knackig und momentan muss ich kein schlechtes Gewissen bekommen, da ich mich vielleicht ein kleines kleines bisschen an den American Lifestyle gewöhnt habe.

Ich mach mich dann mal auf nach Portland. Bis bald meine Lieben.
Eure, Jule
hier passten Autos durch

die Yosemite Falls

Ungelogen- steil.

Muss man gesehen haben. Die Seelöwen am Pier 39
Das Wahrzeichen des Pier 39


Geschrieben von Julia

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