Julia Albinus

11. Dezember 2018, posted in American Food, Deutschland, Kanada, KurztripSchlimma geht´geht’s Nimma

Fairerweise muss ich sofort mit der Tür ins Haus fallen: Deutschland ist schön. Venedig hat 38 km Kanäle- Augsburg hat 160 km Wasserkanäle. 
Die Fuggerei Augsburg – die älteste bestehende Sozialsiedlung der Welt

Bitte habt Nachsehen mit mir. Ich bin nun seit Anfang September wieder in Deutschland. Herzschmerz und Heimweg hat mich meine Reise unterbrechen lassen. Aus der planmäßigen kurzen Pause wurde eine längere Rast. Es war keine vorschnelle Entscheidung, denn meine Lebensvision ist die freie Entscheidung über meinen Aufenthaltsort. Wichtig ist für mich mein Business rund um meinen Lifestyle zu bauen und nicht andersherum. 


Die Pflanzenfresser machen Augsburg unsicher

Schrägheit gehörte schon immer zu meinen Stärken. Die Idee mein Travelmate (für alle denen Denglisch kein Begriff ist: Reisepartnerin) Katja in ihrer neuen Wunschheimat Augsburg zu besuchen ist schnell getroffen. Im Bereich der Spontanität war ich sicher schon flexibler, dennoch buche ich die Züge und zahle eben ein wenig Lehrgeld. Shit happens, da ich mir mit der Entscheidung einfach zu viel Zeit lasse. Von Synergieeffekten ist an dieser Stelle nicht zu sprechen. 
Aha! Die Stadtwerke Augsburg bieten einen kostenlosen
Gepäckservice

Dennoch nutze ich meine letzten Kapazitäten und entscheide mich bis Montag zu bleiben. Wir entschließen uns für ein schönes, aber dennoch einfaches Wochenende. Als ich in Ingolstadt das letzte Mal umsteige merke ich: es wird hochriskant. Die Bahn ist proppenvoll. Ich erkenne, dass die Bahnen hier in Bayern viel höher frequentiert sind, als das bei uns in Brandenburg der Fall ist. Wie auch immer, Katja empfängt mich freudestrahlend am Hauptbahnhof Augsburg. Wir haben uns in Victoria kennengelernt. Diese Anführung soll unterstreichen wie intensiv meine Zeit in Victoria war. Hier habe ich Freundschaften fürs Leben geknüpft. 


Widerstandslos einigen wir uns darauf, dass wir das Logistikproblem auszuhebeln.

Auch die bayrische Trachtenmode
gehört zum Kulturwochenende

Meinen Koffer geben direkt im Gepäckbus ab. Die Augsburger Innenstadt ist nun nicht mehr sicher. Natürlich ist es essentiell die Stadt an sich erstmal kennenzulernen. Also machen wir uns mit der bayrischen Tradition vertraut schlüpfen in die Dirndl – oder besser gesagt, was vom Dirndl heute noch übrig bleibt- vielleicht ein ´Dirndeverall´?- und posen wie die feschen Wiesnmadels elegant vorm Spiegel. Tradition soll soll doch gepflegt werden, oder? Denn der Spaß und die Genugtuung sollen einfach nicht zu kurz kommen. Übrigens eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg.

Unverwechselbar und schön glänzt der Christkindelsmarkt. Wir erkennen die Tendenz aus der Magengegend und stopfen unsere hungrigen Mäuler mit dem umstrittenen Gericht -dessen Herkunft immer noch unbestimmt ist: Chili sin Carne. Später vereinen sich die kulturellen Sehenswürdigkeiten und das Engelsspiel am Rathaus. Der Besuch auf dem Weihnachtsmarkt lässt mein Herz schmelzen. Ein veganer Traum! Hier gibt es pflanzenbasiertes Fastfood on mass. Die Studentenstadt hat sich auf sein junges und hippes Publikum eingestellt. Für heute haben wir eine Menge erlebt. Bevor wir nun das Fass zum Überlaufen bringen, legen wir uns die Reise ins Hostel nah.

Das Muster ist wie in Kanada. Ohne HI International Karte kommt man eben nicht ins Hostel. Das weiß jeder. Checkin im HI Hostel Katja ist schnell erledigt. Die Betten sind schon bezogen. Internationales Flair im kleingeistigen Bayern. Ich lache und falle überglücklich ins Bett. Wenn man immer wieder diese Freude empfindet und auch an dieser anknüpft, fühlt man sich komplett. 
Unser Hostelfrühstück ist einfach. Es gibt selbstgemachten Mandel-Joghurt, aufgepeppt mit Leinsamen, Nüssen und Früchten. Nicht alle haben den Mut sich den globalen Playern hinweg zu setzen und zaubern sich ihren eigenen Bakterienstamm. Ich bin froh, dass wir dieses Geschmackserlebnis miteinander teilen und uns die lebenden Kulturen hinterhauen. Freilich ich übertreibe. So makarber frühstücken wir dann doch nicht.
Auch die Ausführung unserer Hostelroutine besteht weiter. Über ausgeglichene Sportler weiß man, dass sie mehr brauchen als eine Trainingseinheit. Sport, Stretching und gute Musik runden unsere Morgenroutine ab. Wir kochen aus dem `free shelf´, was zugegebenermaßen – im Vergleich – zu Kanada nicht free ist und machen uns fertig für das Eishockey Spiel. Phantasie ist gefragt, Experimentierfreude. Der Traum vom Schlaraffenland hat sich zum Traum der schlanken Figur gewandelt. Dementsprechend fokussieren wir uns im Basic auf entsprechende Lebensmittel und kanalisieren diese heraus. Zwangsläufig entsteht ein Gaumenschmaus, der Stilvoll in der `Hostelküche´ verputzt wird.
Nicht zuletzt tuckern wir voller Vorfreude ins Curt-Frenzel-Stadion. Kanadischer Traditionssport rundet unseren Tag ab. Wir albern und kichern in Englisch, denn unser Augschburger Kasperletheater teilen wir nur ungern mit der Öffentlichkeit. 
In der Einfachheit liegt die höchste Vollendung. Wir entscheiden uns also für einen Stehplatz. „Eishockey ist ein einfacher Sport, dem auch zwei Blondinen folgen können“, denke ich so bei mir als ich den Blick durch die Fangemeinde schweifen lasse, und dennoch ist die Erwärmung der Spieler der Brückenschlag zwischen Unterhaltung und sportlichem Ehrgeiz. Oder anders ausgedrückt: die Transformation von präzisen Bewegungen auf dem Eis und ´soften´ Moves der Spieler. Die Stimmung im Stadion ist phänomenal. Die Mannschaft spitze. Kein Wunder, denn sie ist am Ende des Abends zweite der deutschen Eishockeyliga. Es liegt nahe:„Auf geht´s Augschburg schießt ein Tor.“, oder „Gib mir ein A-A, gib mir ein E-E, gib mir ein V-V!“, laut mit zu brüllen.

Die Kunst des Beurteilens und Koorperierens

Da wir uns beide nicht als Saufschrauben verstehen- Katja trinkt überhaupt keinen Alkohol- sind wir uns einig, dass unser Abend in Katja´s Apartment endet. Wir stellen uns erneut der Aufgabe des Kochens. Unsere schöpferische Kraft und Leidenschaft drücken wir in der Vollendung eines guten Mahl´s aus. 
Nach der Vernichtung unseres zwei Gänge Menüs puppt sich die Serie „Panthers Unchained“ als Bildungsfernsehen unseres Abends heraus. Das Eingeständnis unseren Abend  komplett dem Eishockey und gleichermaßen Kanada zu widmen fällt nicht schwer. Wir konzentrieren uns auf Einfachheit, denn Komplexität würde zu viel Energie abziehen.
Exotika so lecker
Falafelteller, Gemüse-Currysuppe und Okraschotensalat

Leider ist das schon unser letzter Abend. Weise schmieden wir Pläne für unseren letzten gemeinsamen Tag: wir gleichen die kulturellen Defizite aus. Auch wenn wir uns in der Vielzahl unserer Ideen kaum entscheiden können. Unterstreicht die Wahl dieser Freizeitgestaltung unseren Bildungsgrad. So wie wir auf Reisen gelernt haben uns schnell in fremden Umgebungen zu orientieren, verhält es sich auch mit Deutschen Städten: wir machen die Fuggerei – Deutschland´s älteste Sozialsiedlung-  frühzeitig ausfindig, und bewundern auf dem Weg dorthin das ein oder andere kulturelle Highlight. Das Prinzip heißt mit Systematik ökonomisch und intelligente Lösungen entwickeln, mit denen wir für uns das Maxim an Zeit herausholen. Das gelingt. Zeit für ein Mittagessen mit Deutschlands besten Hummus ist auch noch drin.

Die benötigten Fähigkeiten zur Weltreise haben wir. Die Anforderungen und das Potential für längere Reisen können wir klar unter Beweis stellen.
Kurz gesagt können wir ganz allgemein zusammenfassen: Reisen können wir.
Grüße aus den Lebensadern Augsburg- Kanäle.
Eure Jule

Geschrieben von Julia

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