Julia Albinus

27. Juni 2018, posted in Kanada, Nordamerika, ReiseMit Speck fängt man Mäuse

Gletscher, Inseln und Leuchttürme - pure Freiheit
Gletscher ein Leuchttürme und Inselgruppen – ein Traum

Schließlich und endlich muss ich meine Aussage revidieren.

Meine Souvenir-Karriere wird meinen Lebenslauf nicht pushen, aber sie hat einige Benefit´s. Meine Chefin und ich sind warm geworden.

Supervision gehört der Vergangenheit an. Freizeitpläne werden sogar geschmiedet. Geht doch.

Der Chefin verdanke ich ziemlich viel. Vorteile wie die Sightseeing Tour- kostenlos- und unzählige Restaurant Rabatte sind nur die Sahne auf der Torte.

Mit Speck fängt man eben Mäuse: die gratis ´Whale Watching Tour´ hat mich hinterm Ofen vorgelockt.

Ganz nebenbei lebe ich in der ältesten Stadt der Westküste Kanada´s. Außerdem beansprucht Victoria das mildeste Klima ganz Kanada´s.

Lebensqualität pur. – Ein Katzensprung in die Wildnis des Ozeans, in die unbeherrschbare Natur zum Wandern, Kayaken, Baden und alle anderen sportlichen Aktivitäten gibt es auch noch on top. 

In der düsteren Vergangenheit machte sich die Stadt und ihre Einwohner einen Reibach mit Pelzhandel und gold. Heute muss ich das blutige Elend nicht mehr sehen. Der Pelzhandel gehört der Vergangenheit an.

Das zweitälteste Chinatown in Nordamerika ist hier zu Hause. 
Nur San Francisco ist eben einen Ticken eher auf gold gestoßen, hat also die Chinesen früher angezogen.

Herrschaftliche Straßenzüge und eine very britische Atmosphäre


Um gedanklich noch etwas in der Stadt zu bleiben präsentiere ich euch stolz: Moose Crossing. Einer von 7 Läden auf der ältesten Straße der Stadt. Wieso ich auf diesen Laden so viel Wert lege? Er hat mich zurück auf den Boden der Tatsachen geholt. Es sind nun schon sage und schreibe vier Monate Reisezeit vergangen. Was man auf den postkartenähnlichen Fotos nicht sieht: Die Einsamkeit macht mir hier und da zu schaffen.

Das ist ein Grund wieso ich die Kreuzfahrtschiffpassagiere nun mit: „How are you going?“, empfange. – Moose Crossing ist eben ein Teil meines Arbeitslebens geworden.
Klar, ich bin aufgeschlossen und flüchtige Bekanntschaften sind easy peasy. Ich brauchte ich eine Pause vom flüchtigen Kommen und Gehen. Eben eine solide Basis.

So sehr in mich im letzten Beitrag selbst beklagt habe, nach ein bisschen Einarbeitungszeit legt sich die Hühnerstallatmosphäre und alle sind froh, dass „the German“ da ist. 

Das hat zwei Gründe. Zum einen hat keiner Lust aufs Putzen. Ich mache das mit Vergnügen, da ich so auch mal ein bisschen abschalten kann. Grund Numero zwei ist, dass viele unser Deutschen Kunden kaum ein Wort Englisch rausbekommen. 

Um nun endlich den Bogen zurück zur Natur zu schlagen: Meine Managerin mag mich und macht mir unsere Boni schmackhaft. Ich wiederhole mich; die Whale Watching Tour ist und bleibt die Kirsche auf der Torte.

Das Team hat sich super eingroovt. Wenn man mal vom Regale einräumen absieht, kann man von Überarbeitung nicht sprechen. 

Die Heimat kündigt sich an


Das hätte ich vielleicht schon eher erwähnen sollen: Besuch hat sich angekündigt und ist nun im Landeanflug. Zeit zum Aufatmen. 

Das Zimmer ist vorbereitet und ich mache mich auf die Fähre, um meinen Gast würdig am Flughafen zu empfangen.
Wir passieren die malerischen Inselkulissen. Ich hetze zum Bus und erreiche Vancouver Airport. 

Die Freude ist groß, da die Bürgersteige recht schnell hochgeklappt werden, halten wir die Willkommenszeremonie kurz und der Sprung auf die letzte Fähre zurück auf die Insel ist geschafft.

Der Arbeitsalltag spannt mich ein. 
Nichtsdestotrotz wiegen das die freien Stunden in Gesellschaft auf. 
Ich riskiere ein Blick in den Dienstplan. Er zeigt, dass ein paar freie Tage auf sich warten lassen. Selbst ist die Frau; Ein paar Schichten sind getauscht und endlich geht es für ganze drei Tage raus in die Natur. 

Er läuft wie ein Bär, sieht aus wie ein Bär- es muss ein Bär sein


Schwarzbär auf der Suche nach Mittagessen
Wusste nicht wie schnell ein hungriger Bär sein kann


Mal abgesehen davon, dass es landschaftlich schon atemberaubend ist, finden wir das Paradies auf Erden. Ein Zimmer mit traumhaften Seeblick und unendliche Baumkronen. 
Ganz nebenbei trällert der Wirt: „Draußen könnt ihr den Whirlpool nutzen.“. Ich fass´ es nicht. 

Nach Monaten ein tolles Bett und -ja- tatsächlich noch einen Whirlpool. Ich umkreise komplett die Unterkunft und muss mich einmal kurz zwicken. – Ich träume nicht.

atemberaubend schön
„Sag mal spinn ich?“, höre ich meinen Bruder Erik hier sagen
Nach einer erholsamen Nacht in der Soul Greek Lounge und einem Gourmet Frühstück schwinge ich meinen Allerwerstesten wieder auf dem Rücksitz der BMW. Was wir vorher nicht wissen. – Die Fahrt bis zum Tageshiglight dauert keine 10 Minuten.  Der Juan de Fuca Provincial Park soll mir für immer in Erinnerung bleiben. 

Zwischen dem herrlichen Regenwald kommt nun eine kleine Bucht zum Vorschein. Ich kann es mir nicht nehmen lassen, klettere ein bisschen auf den Felsen rum und mein lieber Schwan, was sehen meine Augen – ein Schwarzbär. Er kommt direkt auf mich zu. Es ist wie ein Unfall. Ich sollte gehen. Das geht aber nicht. Unbeschreiblich das Gefühl. Ich riskiere mein Leben, aber diese Augenweide kommt so schnell nicht wieder. 

Die drei Tage vergehen wie im Flug. Der Erholungsfaktor ist riesig. Die Akkus sind voll und das Arbeitsleben geht weiter.

Immer mehr Kreuzfahrtschiffe kommen gefühlt im Sekundentakt in die Stadt und somit auch in den Laden. Ich amüsiere mich. Viele Amerikaner reisen zum ersten Mal aus dem Trump-Land. „Sind die Preise hier in US-Dollar?“, zischt eine Kundin wäre sie wild die T-Shirts durch den Laden wedelt. 

„Nein, in Kanada sind die Preise in kanadischen Dollar ausgewiesen.“, sage schmeichelnd und muss innerlich schmunzeln. Die Frage höre ich natürlich nicht zum ersten Mal. Vielleicht plaudere ich hier beim nächsten Mal ein bisschen aus dem Nähkästchen. 

Ob man das jetzt glaubt oder nicht: Soloreisen ist nicht nur Halligalli

Versteht mich nicht falsch. Ich bin ja immer noch dabei mein eigenes Unternehmen aufzubauen. Kaum fokussiere ich mich richtig darauf, sausen die Tage an mir vorbei und abends fehlt mir die Gesellschaft. 

Falsche Erwartungen 


Wie oben schon erwähnt ich kann gut und schnell auf Menschen zu gehen, dennoch fehlen mir Familie und Freude. Solopreneur hin oder her. Es gibt zwei Seiten der Medaille. Klar, ist man alleine schneller und produktiver, doch was ist mit der Zeit der danach? 
Im Vorfeld siehst du das nicht. Du freust dich auf gewonnene Zeit, doch das Gras ist immer grüner auf der anderen Seite.

Besuch hat man nicht alle Tage und so fehlt der Ausgleich schon das ein oder andere Mal. Dazu kommt: jeder Arbeitsplatz ist anders. Internet ist nicht immer überragend, Obdachlose quatschen dir eine Bommel ans Bein oder es muss plötzlich gereinigt werden. Diese Faktoren kannst du vorher nicht einkalkulieren. 
Das Lachen ist mir erst heute wieder vergangen als ich den Artikel geschrieben habe.
Mach dir also vorher keine falschen Hoffnungen und plane etwas Pufferzeit für diese Unannehmlichkeiten ein. 

Tipp des Tages: In der Bibliothek hast du immer gutes Internet, kannst diese kostenlos nutzen und ungestörtes Arbeiten ist garantiert.

Solltest du über das ortsunabhängige Arbeiten und Leben nachdenken, mach dir klar, dass zu deinen Reiseabenteuern auch das Verlassen der Komfortzone gehört. Ich möchte diesen neuen Lifestyle auf keinen Fall madig machen nur wäre ich vorab über Hinweise solcher Art froh gewesen. 

Was ich damit sagen will: ein komplett anderes Umfeld, eine neue Umgebung und Selbst und Ständig. Aber eines ist sicher: „It´s all about the Company.“ In größeren Städten klappt vernetzen auch super über die App ´Meet up´. 

Und so muss ich sagen: „Ich bin froh hier in Victoria für sechs Wochen sesshaft geworden zu sein.“ Wo ich eben schon wieder beim Arbeitsansatz gelandet bin; in vielen Foren wird der neue Lebensstil des ´digitalen Nomadentums´ diskutiert. Die Frage wie man reisen sollte, wurde fast ausschließlich mit der Antwort: Slow (Langsam) Nomade beantwortet. Die Frage den Planeten innerhalb kürzester Zeit zu beackern stellt sich vielen also garnicht. Von dem her bleibe ich hier noch ein Bisschen. 😉 

Nun sag´ ich Servus, und verspreche mich nun wieder regelmäßiger zu melden.

Eure,

Jule
Unbeschreiblich schön, wild und wunderbar


Geschrieben von Julia

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