Julia Albinus

13. August 2018, posted in Amerika, Kanada, NordamerikaIndianer fahren keinen Zug. Die Seele reist so schnell nicht mit.

Die West Mounted Police schützte die Indianer vorm Alkohol. Sie wurden in Reservate verpflanzt. 
Das nenne ich gerecht und Entfaltung. Nicht.


Schorsch und ich, ein tolles Team
Schorsch auf der never ending Schotterstraße

In den letzten Tagen ist viel passiert. Eine Woche lebe ich niedergelassen in der Cowboy Stadt, Calgary. Erlebe viel. Nun bin ich wieder on the road. Freunde leihen mir ihr Auto, der Plan für die Woche steht.

Das Auto ist gepackt. Es ist also intuitiv einsichtig, dass es los geht. 
Start ist der Cowboy Trail Richtung Writing on Stones Nationalpark.- Yihaa! 

Alberta – Prärien, Cowboys, Berge und viel mehr

Hier in Alberta, gibt es so viele verschiedene Straßen die alle historisch benannt sind und ein schönes Symbol bekommen haben, nach denen ich fast verrückt werde. Verfallen im Sammelmodus, bin ich ständig am Anhalten und knipste, was das Zeug hält.

Mein Geschichtsinteresse platzt aus allen Nähten. Wenn das so weiter geht, fahre ich als Nerd heim. 

die Indianer im Einklang mit der Natur
Beeindruckend die bodenständige Geschichtsschreibung der Indianer
Am nächsten Morgen sitze ich im Tour-Bus, um das Geschriebene der verschiedenen Indianer Stämme zu verstehen – und zu lernen. 
Die Wesensmerkmale der Kultur sind dermaßen im Einklang mit der Natur, dass ich die Schwingungen schnell in mir aufnehme. 
Erklärt mich für verrückt, aber das sage nicht nur ich. Das muss man erlebt haben. 
Die Tour ist brillant, ich vergucke mich mal wieder in dieses Land. „Oh Canada!“,  verehre ich nicht nur die Hymne dieser Beauty.
Ich genieße mich und Schorsch. 
Schorsch, mein Van und Mobile Home für die nächsten Tage, entscheiden uns um eine Nacht zu verlängern. 
Gesagt, getan: ein bisschen am Strand liegen, vom Fluss treiben lassen, den Klapperschlangen lauschen und Eis schlürfen. Ich würde mich nicht als selbstbesessenen Egomanen beschreiben, aber das sei mir bei fast 40 Grad Celsius wohl gegönnt.
Die Arbeit kann ich in der Tourist Info auf einen Schlag erledigen. 
Bevor ich am nächsten Morgen aufbreche, gönne ich mir wie jeden Tag einen Käffchen. Tja, ich verfluche das heiße Wasser. Nicht nur das. Verbrenne mich am Topf, und so brennt eben die rechte Hand wie Feuer während die Sonne von oben aufs Autodach knallt.

Jeder will gut sein, keiner besser – Indianerweisheit

Quiet the mind and the soul will speak
– Writing on stones National Park

Irgendwie kommen da unstimmige Vibes von zu Hause. Schroffheit und die Einfachheit des Denkens kann ich schwer nachvollziehen und ich lasse mich trotzdem triggern. Erkläre mit mir selbst den Krieg, gehe gefühlsmäßig durch die Hölle, denn meine offenkundige und weltoffenne Art, kommt nicht immer gut an. 
Und so hält mir eben niemand der Schirm, obwohl ich doch voll getankt mit guten Vibes reise, und mir einfach ein bisschen Anerkennung wünsche.
Ich denke Liebe ist mehr als eine chemische Reaktion im Gehirn, denn betrachten wir das historisch; Treue wird gewürdigt, im Gegensatz zu Verrat. Ich glaube die Menschheit hat einen Sinn, ein Ziel. 
„Mit Nobody gives a shit.“- undenkbar.

Diese Situation zieht mich runter. Ich vertrete die nicht haltbare Position, dass das was ich hier mache nicht angebracht ist und ich mich doch Bitteschön dem System fügen solle, statt diesen Weg zu gehen. 
Das Phänomen wertend mit mir umzugehen fällt mir auch bei einigen Freunden auf. Plötzlich läuten Töne, wie: „Du läufst weg.“, aha, wovon denn? Davon über meinen Tellerrand zu schauen, meinen Horizont zu erweitern? – Ich glaube nicht.
Sorry, für die Struggles aber ich kann keinen unverblümten Reisebericht schreiben, sonst kann ich es auch lassen.

Bin mir nicht sicher, woher dieses Unverständnis rührt? Klar, ist es zu Hause auch schön, aber soll das jetzt heißen Erfahrungen und Weitblick sind unangebracht? 
Ich meine die äußere Form bekommen wir doch so vorgelebt, wieso nicht auf Immanuel Kant hören: 

„Saspere Aude! – Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.“?

Der Herzschmerz zieht sich in den Brustraum bis ich ihn überkomme, und wieder ganz in Kanada bin. Das habe ich nicht alleine geschafft. Mein Backup Team, sprich Freunde haben mich zurück auf den Track gebracht, mich therapiert.
Mit Rat und Verständnis stehen sie mir zur Seite, und da trennt sich die Spreu vom Weizen. ich komme aus dem Staunen nicht mehr raus. Die Faszination der Prärie.

3 Prärien in Kanada
Nicht viel zu sehen hier
Nun aber zurück zum wirklichen Reisen, klar die gedankliche Reise spielt immer auch eine große Rolle. Negatives kommt schon genug in den Nachrichten. Brauch hier kein Mensch.
Ich verlasse den Writing on Stones Nationalpark, auf geht´s Richtung Cypress Hills. Fragend schaue ich auf die Straße, denn es ist staubtrocken und außer Prärie, mir entgegen kommende Cowboys in ihren Trucks und Schotter ist nichts zu sehen. Am Ende des Tages stellt sich raus, dass ich 80 Kilometer über den Schotter gerattert bin. Endlich eine asphaltierte Straße. Der nächste Nationalpark soll ein kleiner sein.

Das Klischee kanadischer Dimensionen

Beim Checkin im Park sagen sie mir, dass ich noch 40 km zum Campground fahren müsse. Kurzstrecke also. 
Da mich der Hunger überkommt stoppe ich noch vor dem Campingplatz. 
Die Landschaft ist gerade idyllisch, der Wald reguliert die Hitze. Um sich ein Bild vom Monstrum Cypress Hills zu machen, ist es am besten man schnappt sich ein Foto vom europäischen Mischwald und vergrößert den Wald fünffach. Der harmonische Ausblick und das milde Klima, leisten mir beim Abendbrot Gesellschaft.
Maske runter und einfach leben!
It´s getting hot in here, take off all your clothes

Die Nacht ist kurz, denn die Wärme und das Tageslicht wecken mich schnell auf. Challenge angenommen, rolle also schon 7 Uhr morgens los. Der Blick auf Telefon zeigt mir folgende Nachricht aus Calgary: 
„Wenn du noch Zeit hast, schau dir Fort Walsh an. Es wird dir gefallen.“ Ich lasse mich also zurück in die Geschichte manövrieren. Das gefällt mir natürlich. 

Was wenn die Mounted Police hier nicht den Whiskey Handel gestoppt hätten?   Was wenn die blutigen Kriege zwischen Indianern und Weißen nicht stattgefunden hätten? Was wenn die North-West Mounted Police nicht den kanadischen Grenzen beschützt hätten?

Wären die Indianer nie in Reservate gekommen? Wäre Kanada und die Staaten ein Land? Wer weiß. Ich weiß, dass mich diese Führung zurück versetzt und mich scharf auf mehr Wissen macht. 
Die nächsten Tage genieße ich genauso in den Parks und ´on the road´, gehe gedanklich immer noch durchs Fegefeuer, aber das verblende ich relativ erfolgreich. 
Soviel will ich mir selbst wert sein, als mich aus der Ferne leiten zu lassen.
Faszination Mounties
Faszination West Mounted Police

Wie auch immer. Die Staatlichkeit, oder besser gesagt das Dominium of Canada ist ein Kulturschock für die nativen Stämme. In jenen Tagen ihres Niedergangs sagten sie: 

„Indianer fahren keine Eisenbahn. So schnell kann die Seele nicht mit reisen.“

Der westliche Mensch, größenwahnsinnig wie er ist, zerstört während der Eroberung Kanadas fast alle Bisonherden. Die Indianer sind auf sie angewiesen. Bisons. Kleidung, Unterkunft und Ernährung. Der Bison hatte vielfältige Aufgaben während dieser Zeit. Mit Feuerwaffen brachten sie mehr um die Ecke als sie eigentlich brauchten. Bis nun fast alle verschwunden sind. 
Die Stämme verstanden keinen Spaß, erklären den Siedlern den Krieg. Doch es war zu spät; Heute stellen die Bisons eher Sonderlinge in der Landschaft dar.
Ein Bison.

In der modernen Welt hat ihre Bedeutung stark nachgelassen. Auf meinem Weg komme ich an einigen Reservaten vorbei. Ich stelle mir vor, wie die Menschen heute dort leben. Ich kann es nicht. Wehmut überkommt mich. Es ist unerklärlich und fühlt sich falsch an.

Die Kehrtwende für meinen Gedankenstrom kommt, als ich einen alten Freund wieder treffe. Eigentlich viel zu erschöpft für ein isotonisches Kaltgetränk, schaue ich vorbei. 
Und das ist die beste Entscheidung die ich treffen konnte. Er zeigt mir das Anwesen seiner Freunde, und kommen wir gleich zum Kern der Sache:
Die beiden sind ein deutsches Paar, sind 20 einlassen. Nach drei Monaten steht für sie fest: „Wir bleiben.“ Sie kaufen sich ein Anwesen, gründen eine eigene Firma. Leben nun voller Weitblick, gemütlich und fernab von Zivilisation.
Ich bin auf der Couch willkommen. Ich empfinde nicht die geringste Verlegenheit zu bleiben. Der Spirit und die „Can Do“- Einstellung tut gut.
In der Praxis, wie im Reden haben wir eine gute Zeit. Meine Eltern haben mir meine Anpassungsfähigkeit wohl in die Wiege gelegt, und heute reden wir eben im Arbeiterjargon und philosophieren über Landwirtschaft. 
Während wir auf der Terrasse sitzen und die beiden stolz von ihrem Erfolg erzählen, heulen die Hyänen. Märchenhafter geht es gerade nicht. Einfach mutig sein. Ich schätze die Bodenständigkeit und Authentizität der Beiden. Diesen Spirit, die Vibes und die nächtelangen Gespräche nehme ich mit ins Reisegepäck.
Und wer sich an der Stelle fragt wie ich so schnell Freunde gewinnen kann, sollte entweder einmal im Leben „How to influence people and make Friends“ lesen, oder sich folgendes Zitat zu Herzen nehmen:

Fremde sind Freunde, die man nur noch nicht kennengelernt hat. – Unbekannt

In der Vergangenheit waren die Cowboys die Helden. Unsere  heutige Zeit hält viel auf Multikulti. Viele Leute gehen auf unnatürlichen Abstand, bauen Barrieren wo wir Brücken schlagen können. Dabei fußen wir als soziale Wesen auf menschliche Kontakte, gerade so weit weg von den Liebsten. Ich gehe also unbeirrt auf Menschen los, meistens. 😉


Abenteuer entstehen durch Unvorhersehbares, nicht kalkulierbares. Genug vom Roadtrip durch Alberta und Saskatchewan. 

Bis bald, 

Eure Jule


Geschrieben von Julia

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