Julia Albinus

2. Mai 2018, posted in American Food, Amerika, Nordamerika, ReiseChicken und Waffles

Portland ist der Insider unter den Amerikanern. Gefühlt will jeder hier leben, ganz egal ob er aus Florida oder Idaho kommt. Warum? – Ganz einfach. Portland hat das beste Verkehrsnetz was ich Öffi´s angeht. Portland sorgt dafür, dass die Stadt nicht aus allen Nähten platzt. Suburbs sind nicht erlaubt. Portland sorgt dafür, dass die Stadt sukzessive autofrei wird. Jeder Haushalt darf genau vier Hühner – aus Lautstärkegründen – ohne Hahn halten. Lokale kleine Farmen werden unterstützt und Konsumenten legen wert auf regionale Produktion.

Keep Portland weird


Das Paradies für fortdauernde regionale Lebensmittel

Tja, und mich hat der Blick auf die Karte nach Portland gebracht. Hielt es für einen sinnvollen Zwischenstopp vor Seattle bzw. Kanada. Also ging es prontissimo nach Portland. Dabei ist schnell die Frage der Definition. 
Mal ehrlich ´ne Nachtfahrt mit dem Greyhound kann man schon mal machen. Und so kullerten wir entspannt durch die Nacht. Völlig errädert kam ich nach 15 Stunden Busfahrt im Ökohostel in Portland an. Beim Checkin wäre ich am liebsten direkt wieder umgekehrt. Die Toiletten werden mit Regenwasser gespült. Versteht mich nicht falsch ich stehe total auf Nachhaltigkeit, war mir eben nur in diesem Moment etwas viel.
Na gut eine Chance will ich dem Hostel geben und na endlich im Mädelsdorm treffe ich auf eine Horde fideler gut gelaunter Amerikanerinnen. Es geht doch und schon war der Checkin Schock fast in Vergessenheit geraten. 
Nachdem ich mal wieder das obere Bett erwischt habe, klettere ich hoch und beziehe es. Ich habe auf nichts mehr Lust heute, bis Becca in die Runde ruft: „Jemand Hunger?“, und ja ich habe Hunger und das sage ich ihr auch: „Becca lass uns schon los, der Greyhound Jetlag wütet noch in mir.“ Unser Gruppenchat ist eröffnet. Schnell stellt sich heraus, dass ich die Einzige Zugereiste bin, und so behandelt mich Macy aus New York dann auch:

„Bringt das Model in ein typisch amerikanisches Restaurant, aber macht sie nicht fett.“ 

Keine zwei Wimpernschläge später marschieren wir Richtung Screen Door. Laut Yelp hat es unheimlich gute und vorlagen viele Bewertungen, kann also nur gut werden. Da Becca wohl fast am Hungertod leidet zieht sie das Tempo ganz schön an. Kate kommt kaum hinterher und ich sehe mich einfach mal als Zwischenglied und halte die Truppe zusammen. Durchgeschwitzt kommen wir im Restaurant an. „Ich nehme Chicken und Waffles“, ordert Becca. Endlich kommen wir dazu uns kennenzulernen. Kate ist eine junge Familienmama und arbeitet momentan im Schlachthaus. „Bitte was?“, stammel´ ich. Nein ich finde das nicht alltäglich. „Was bringt dich nach Portland?“, frage ich neugierig. „Eine Komik Konvention.“, erwidert sie. Ich versteh dich Welt nicht eine junge Mutter, 

die im Schlachthaus arbeitet und mal eben acht Stunden durchs halbe Land für eine Comic Konvention fährt. 


Aha. Da ich das gerade alles nicht fassen kann, hake ich nochmal nach: „Du arbeitest also in einem Schlachthaus. Wie stelle ich mir das vor? Stehst du den ganzen Tag an einer Stelle?“. Und das macht sie 12 Stunden, 3 Pausen. Zweimal jeweils 15 Minuten und eine 30 minütige Pause. 
Das muss ich verdauen, also nutze ich die Zeit um Becca auszuquetschen. Sie ist das völlige Gegenteil von Kate. Geboren und aufgewachsen in L.A.. Sie arbeitet im Online Marketing und ist Food-Vloggerin. Also werden wir sobald wir unser Essen haben auch erstmal gefilmt. Ich bin völlig perplex von der amerikanischen Gelassenheit. Mir fehlen die Worte als sie die Kamera in meine Richtung hält. 
Hätten wir das auch erledigt. Kaum sind wir mit dem Essen fertig liegt auch schon wieder die Rechnung auf dem Tisch und die Boxen zum Einpacken wurden gebracht. Selbstverständlich räumen die Mädels zusammen und wir klären kulturelle Unterschiede auf: „Nein, bei uns in Deutschland ist das nicht soo selbstverständlich, dass wir das Essen mitnehmen.“

Innovativ lassen wir uns zurück chauffieren 

Unweigerlich zieht Becca ihr Telefon aus der Tasche und bestellt ein Lyft: „Ist doch okay wenn wir die Kosten in der App splitten, oder?“. „Selbstverständlich.“, entgegne ich und schon läd´ Kate die App. Ich liebe Hightech. Das war ein Abend nach meinem Geschmack. Im Hostel beschrifte ich meine Boxen und höre Macy: „Ja blondes Model pass bloß auf, dass dein Essen morgen auch noch da ist.“ schmunzelt sie mit ihrem frechen Mundwerk.
Am nächsten Morgen brieft mich Verena über Portland. Sie muss nachts noch angereist sein. 51 Jahre, die man ihr überhaupt nicht ansieht. Sorry für das Rausposaunen des Alters, aber das geht auf keine Kuhhaut. Sie wirkt so jung, frisch und dynamisch. Ob das daran liegt, dass sie nun auch schon sehr lange im Ausland lebt? 11 Jahre Einöde in Neuseeland haben sie wohl frisch gehalten. „Geh zu Bluestone Donuts“, die besten in der Stadt und das mache ich dann auch direkt in Anbetracht auf den Blick auf die Uhr. Zack Kaffee und Donut bestellt und schon spitze ich meine Ohren für den angehenden Call.
An der Stelle muss gesagt werden, dass es in Portland viel regnet und so ist es natürlich auch in der Zeit als ich zu Besuch bin. Um mich rum riecht es nur so nach Gras. Ist in Oregon legal und im Washington State auch. Also wird mich der Duft wohl so schnell nicht mehr aus der Nase gehen. In Portland passiert nicht mehr viel und ich mache mich auf nach Seattle. Die Stadt empfängt mich mit strahlendem Sonnenschein. Herrlich, endlich. So ziehe ich auch gleich noch ein bisschen durch die Straßen und schaue mir die wichtigsten Sehenswürdigkeiten an. In netter Begleitung versteht sich, denn von Portland reisen viele entweder nach Oder oder Süden. In diesem Fall treffe ich einige Portland – Hostelbekanntschaften wieder. 

Pablo Escobar oder doch die die Kaffeebande aus Bogota?

Entspannt ruhe ich mich in meinem Bett aus – diesmal endlich unten – als meine kolumbianischen Zimmergenossen mit einem „Holá!“ Den Raum betreten. Die lateinamerikanische Herzlichkeit gefällt mir sofort, und so landen wir wenig später in einer Bar und diskutieren die angehende Kaffee Expo und vor lauter Gängelei kommen meine Bauchmuskeln nicht zur Ruhe. Die drei stellen sich überall als Data Analytics Experten vor, was nur bedingt stimmt, denn auch wenn ich sie ständig mit Pablo Escobar in Verbindung bringe, wollen sie im Kaffeebusiness durchstarten. Ein Österreicher hat sie nach Seattle gebracht. 
Und so können sie ihr Glück selbst noch nicht glauben, und wir begießen das Glück mit standardmäßig mit Whiskey. Ein bisschen fragwürdig kommt ihnen die Idee zu dem Zeitpunkt selbst vor. Das ändert sich aber schnell als sie auf der Konvention mit ihrem Data-Analytics-Pitch durchstarten. Zwischenzeitlich nehmen wir auch schon mal die Hostelküche ein, um Ideen zu besprechen oder sogar gemeinsam ihre neue Homepage aufzusetzen. Ich habe die tiefsinnigen Drei in mein Herz geschlossen.
Während sie ihr Business auf der Expo ins Rollen bringen schiebe ich Frust. Es regnet. Die Straßen sind überseht mit Obdachlosen und ich kann über das Elend und das Grau nicht hinweg sehen. So sehr ich es auch versuche. Hochhäuser und Herzlosigkeit. Das kann ich einfach nicht ab. Was für ein Glück, dass meine lateinamerikanischen Zimmergenossen warme Herzen haben und mich verstehen können. So beginnen wir die ersten Reisepläne zu schmieden und mir gefällt die Idee bei Emilio auf der Kaffeeplantage ein paar Sonnenstrahlen zu erhaschen und meine Fingerfertigkeiten zu verbessern immer besser. Naja, bis es soweit ist soll noch einiges an Bier unsere zarten Kehlen heruntergeflossen sein. Salut! 
Bis zum nächsten Mal, 

Eure Jule!
Geschrieben von Julia

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